Visuelle Störungen

Wie funktioniert visuelle Wahrnehmung und welche visuellen Störungen können dabei auftreten?

Die visuelle Wahrnehmung ist ein außerordentlich komplexes Zusammenspiel von vielschichtigen physiologischen und neurophysiologischen Funktionen, deren Bedeutung wir uns im Alltag nicht immer so recht bewusst sind.Gutes Sehen ist nicht nur von der richtigen Korrektion (Brille, Kontaktlinse oder Prismatische Versorgung) abhängig, sondern es müssen alle Sehfunktionen  reibungslos ablaufen. Zu den Teilbereichen, in denen visuelle Störungen auftreten können, gehören:

Augenbewegungen

Augenbewegungen = fließende Folgebewegungen und Blicksprünge

Das Auge wird durch 6 Augenmuskeln bewegt, deren Koordination exakt stimmen muss. Störungen in der kindlichen Entwicklung oder spätere störende Einflüsse wirken sich negativ auf diese wichtigen Bewegungsmuster aus.

Beim Lesen eines Textes scannen die Augen in sogenannten Sakkaden die Buchstaben ab. Sollte dies nicht in ruhigen gleichmäßigen Bewegungen möglich sein, kann sich dies folgendermaßen äußern:

Vergenzen

Vergenzen = Ein- und Auswärtsdrehen der Augen (Konvergenz und Divergenz)

Für optimales Sehen müssen beide Augen zusammenarbeiten. Sollten sie nicht fähig sein, sich auf das gleiche Objekt in einer bestimmten Entfernung ein zu stellen, entstehen zwei zueinander versetzte Netzhautbilder. Bertoffene klagen über schnelle Ermüdung, gelegentliches kurzzeitiges Doppeltsehen bis hin zur Unterdrückung des Seheindrucks eines Auges.

Akkommodation

Akkommodation = Scharfstellen auf die gewünschte Entfernung durch die Augenlinse

Die Augenlinse muss sich schnell auf die richtige Entfernung einstellen können, sonst erscheint das Gesehene unscharf. Die Naheinstellung kann sowohl aufgrund ihrer Koppelung an die Konvergenz und Divergenz, als auch für sich alleine betrachtet zu Beeinträchtigung der visuellen Leistungsfähigkeit führen.

Visualisation

Visualisation = sich ein Bild machen

Das Sehen endet nicht auf der Netzhaut, sondern findet im Gehirn statt. Dort werden die ankommenden Informationen geordnet, strukturiert, mit bekanntem Wissen und Erfahrungen der gesamten Sinneswahrnehmung (sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken) verknüpft.  Somit können wir uns so ein Bild von unserer Umgebung machen.

Defizite in diesem Bereich wirken sich nicht nur durch ein unvollständiges,  lückenhaftes oder sogar fehlerhaftes Vergleichsmaterial in unserem Gehirn aus (unsere Festplatte  ist  „falsch vormattiert“), sondern können auch zu Problemen in anderen Bereichen (z.B. Raumwahrnehmung) führen: Beim Sport oder im Straßenverkehr können Entfernungen und Geschwindigkeiten nicht richtig eingeschätzt werden.

Teilweise äußert sich das Problem, indem Wortbilder falsch oder unzureichend abgespeichert  werden.